„Wenn du dich selbst immer hinten anstellst – und warum das kein Zufall ist“
- Tanja Filipcic-Mauerer
- 16. Apr.
- 5 Min. Lesezeit

„Es passiert nicht laut. Manchmal passiert es einfach… so. Irgendwann stehst du da – und merkst gar nicht mehr, dass du dich selbst aus dem Blick verloren hast.
Es beginnt oft ganz leise.
Nicht mit einem großen Opfer. Nicht mit einem bewussten „Ich gebe mich auf“.
Sondern mit kleinen Momenten:
Du sagst nichts, obwohl du etwas sagen möchtest. Du stellst deine Bedürfnisse zurück, „weil es gerade nicht passt“. Du funktionierst. Kümmerst dich. Hältst alles zusammen.

Und vielleicht ist es genau so leise passiert. So unauffällig, dass du es selbst kaum bemerkt hast.
Ein Stück von dir ist immer weiter nach hinten gerutscht. Nicht, weil du schwach bist –sondern weil du gelernt hast, dich anzupassen.
Und irgendwann stehst du da…nicht im Mittelpunkt, sondern irgendwo dazwischen.
Wir Frauen haben das nicht einfach „so“. Es ist nicht einfach ein Charakterzug. Es ist gelernt. Geprägt. Vererbt. Weitergegeben.
Über Generationen.
Frauen, die funktionieren mussten. Frauen, die sich angepasst haben, um sicher zu sein. Frauen, deren Wert daran gemessen wurde, wie gut sie für andere sorgen.
Und wir tragen das weiter. Oft, ohne es zu merken.
Als Muster. Als innerer Satz: „Ich bin erst dann gut, wenn es allen anderen gut geht.“

Und während du versuchst, gesehen zu werden, passiert gleichzeitig etwas anderes:
Du beginnst zu halten. Zu tragen. Für andere da zu sein.
Still. Verlässlich. Immer.
So wie die kleinen Tropfen, die sich sammeln, ohne je zu fragen, wer sie eigentlich hält.
Und irgendwann merkst du:
Du kommst selbst darin nicht mehr vor.

Doch was passiert, wenn du zu lange hältst?
Wenn du dich selbst dabei immer weiter vergisst?
Deine Grenzen werden hart. Dein Inneres zieht sich zurück.
Und irgendwann spürst du dich kaum noch. Und dann wird es still in dir.
Nicht die gute, ruhige Stille. Sondern eine, die dich langsam erstarren lässt.
Deine Grenzen sind noch da –aber sie fühlen sich hart an, starr, unbeweglich.
Du schützt dich…aber du erreichst dich selbst nicht mehr.
Aber etwas beginnt sich zu verändern.
Vielleicht spürst du es auch:
Dieses leise Aufbegehren. Dieses „Da muss doch noch mehr sein“. Diese Müdigkeit vom ständigen Geben.
Nicht laut. Nicht dramatisch.
Aber klar.
🌿 Ein Blick in die Natur
Wenn wir in die Natur schauen, sehen wir etwas Überraschendes:
Dort gibt es Fürsorge. Aber keine Selbstaufgabe.
Eine Hirschkuh kümmert sich um ihr Kalb. Intensiv. Wachsam. präsent.
Aber sie hört nicht auf zu fressen. Nicht auf zu ruhen. Nicht auf, ein Teil ihres eigenen Lebens zu sein.
Eine Pflanze gibt Nektar für Insekten. Aber sie blüht nicht weniger, um anderen zu gefallen.
Ein Baum spendet Schatten. Aber er wächst trotzdem weiter in seine eigene Richtung.
Die Natur kennt Verbindung. Aber keine Selbstverleugnung.

Und doch…
Irgendwo tief in dir ist noch etwas lebendig.
Ein leiser Impuls. Ein kaum hörbares „So kann es nicht bleiben“.
Vielleicht ist es nur ein Gedanke. Vielleicht nur ein Gefühl.
Aber es reicht, um dich einen Schritt ins Licht gehen zu lassen.
Der weibliche Archetyp im Wandel
Lange Zeit war das Bild klar:
Die nährende Frau. Die aufopfernde Mutter. Die stille Trägerin.
Und ja –in diesem Archetyp liegt unglaublich viel Kraft.
Aber:
Er ist unvollständig geworden.
Denn die Frau von heute ist mehr.
Sie ist nicht nur die, die gibt. Sie ist auch die, die spürt. Die, die Grenzen setzt. Die, die ihren eigenen Weg geht.
Die, die sagt:
„Ich bin Teil des Ganzen – aber ich verliere mich nicht mehr darin.“

Und wenn du diesen Schritt gehst, passiert etwas Wunderschönes:
Du beginnst dich wieder zu sehen.
Nicht so, wie andere dich brauchen. Sondern so, wie du wirklich bist.
Durchlässig. Echt. Mit allem, was zu dir gehört.
Warum wir uns trotzdem immer wieder verlieren
Weil alte Muster nicht einfach verschwinden.
Sie sitzen tief. In unserem Nervensystem. In unseren Beziehungen. In unseren Erwartungen an uns selbst.
Und oft auch in unserer Angst:
„Wenn ich mich nicht mehr kümmere – wer bin ich dann noch?“
„Werde ich dann noch gebraucht?“
„Darf ich überhaupt an mich denken?“
Diese Fragen sind ehrlich. Und sie verdienen keine schnellen Antworten.
🌱 Eine neue Form von Weiblichkeit
Vielleicht geht es gar nicht darum, weniger zu geben.
Sondern anders.
Nicht aus Leere. Sondern aus Fülle.
Nicht, weil du musst. Sondern, weil du willst.
Nicht, weil du dich selbst vergisst. Sondern, weil du dich selbst mit einschließt.

Und vielleicht merkst du dann…
Du musst dich gar nicht neu erfinden.
Du warst die ganze Zeit da. Nicht verschwunden – nur verdeckt.
Und jetzt…darfst du dich wieder ausbreiten.
Nicht leise. Nicht versteckt.
Sondern so, wie es dir entspricht.
🌿 Eine kleine Einladung
Setz dich raus. Lehn dich an einen Baum oder spür den Boden unter deinen Füßen.
Und frag dich:
„Wo stelle ich mich selbst noch hinten an?“
Und dann – ganz ohne Druck:
„Was würde sich verändern, wenn ich mich wieder mit dazu nehme?“
Nicht sofort alles. Nicht perfekt.
Aber vielleicht…ein kleines Stück.
Vielleicht ist genau das der Wandel, in dem wir stehen:
Nicht weg von Fürsorge. Sondern weg von Selbstaufgabe.
Nicht weg von Verbindung. Sondern hin zu einer, die dich mit einschließt.
„Du bist nicht zu wenig. Du warst nur zu lange zu wenig für dich selbst.
Vielleicht bist du längst mehr Löwenzahn, als du glaubst.“

Wenn du diesen Weg nicht allein gehen möchtest –wenn du dich erinnern willst, wie es sich anfühlt, wieder ganz bei dir zu sein, im Kreis, am Feuer, in Verbindung…
Dann bist du herzlich eingeladen.
🌿 DaWoidUndDu – wo du dich nicht mehr verlieren musst, um dazuzugehören.
5 kleine Schritte zurück zu dir
1. Einmal am Tag innehalten
Nicht lange .Nur ein Moment.
„Wie geht es mir gerade wirklich?“
Ohne gleich etwas ändern zu müssen. Nur wahrnehmen.
2. Eine Mini-Entscheidung für dich treffen
Jeden Tag.
Das kann ganz klein sein:
ein Spaziergang statt Haushalt
früher ins Bett gehen
etwas absagen
„Heute entscheide ich einmal bewusst für mich.“
3. Dein Nein wieder üben
Sanft. Schritt für Schritt.
Nicht hart. Nicht erklärend bis ins Detail.
Ein einfaches:
„Das passt für mich gerade nicht.“
reicht oft schon.
4. Deinen Körper wieder mitnehmen
Der Körper weiß oft früher als der Kopf, was zu viel ist.
Achte auf:
Enge im Brustraum
flachen Atem
Spannung im Nacken
Und dann frag dich:
„Was würde mir jetzt gut tun?“
5. Dir selbst genauso begegnen wie anderen
Das ist vielleicht der wichtigste Schritt.
Du bist oft:
verständnisvoll
geduldig
mitfühlend
mit allen anderen.
Und mit dir?
Versuch heute einmal:
mit dir selbst so zu sprechen, wie du mit einer guten Freundin sprechen würdest.
Du musst nicht alles auf einmal verändern. Aber du darfst anfangen, dich selbst wieder mitzunehmen.

Und vielleicht beginnt genau hier –bei mir - dein Zurückkommen zu dir.







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